Titelschriftzug 'Der Letzte seines Standes?'
Der Turmuhrbauer
Inhalt

In der Stadt Rothenburg ob der Tauber geht ein Mann einem Handwerk nach, das wie kein anderes das Leben unserer Vorfahren veränderte. Es ist das Handwerk des Turmuhrbauers. Mit der Installierung ihrer mechanischen Wunderwerke auf Kirchtürmen sorgten die Turmuhrbauer dafür, dass Zeit nicht weiter ein subjektives Empfinden war, grob gegliedert in Hahnenschrei, einer im Zenit stehender und untergehender Sonne, sondern nun der Zeitraum zwischen vorher und nachher eine für jedermann erlebbarer Ordnung erhielt - durch Glockenschläge, die auch noch draussen auf den Feldern zu hören waren.

Robert Dürr gehört zu den wenigen seiner Zunft, die noch von der Zeit der mechanischen Turmuhren berichten können, denn 2 dieser gewaltigen Uhrwerke aus Gußeisen hat er zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn noch gebaut und es gibt kaum einen Turm in diesem Landstrich - so ihn eine Uhr ziert, den er nicht x-mal bestiegen hat und deren Uhrwerke er nicht wieder und wieder der rasanten technischen Weiterentwicklung anzupassen hatte.

Gab es zu Beginn seiner Ausbildung noch von Hand zu bedienende Ungetüme, so sind es heute kleine Kästchen, funkgesteuert, die die Zeiger antreiben und den Glockenschlag und das Läuten besorgen. So hat sich sein Handwerk, wie er es einst gelernt hat, überholt, hat sich gewandelt.

Aufträge aus der Denkmalpflege, wie z.B. die Restaurierung der 300 Jahre alten, schmiedeeisernen Turmuhr der Spitalkirche in Bad Windsheim, sind letzte Bereiche, in denen er seine alte Handwerkskunst noch anwenden kann. Ein halbes Jahr hat Meister Dürr an dieser Uhr gearbeitet und dafür gesorgt, dass ihre Zahnräder wieder gemächlich Ihre Runden drehen, im Zaum gehalten von einem 12 Meter langem Pendel.

Text: Benedikt Kuby



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